Attac.DenkTankStelle.2013-12-02

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DenkTankStelle von Attac-Leipzig

Thema: Kein Geld für alle!
Ort und Zeit: Mo, 02. Dezember 2013, 19 Uhr im Café Grundmann

Ankündigung

Ein Thema hatte sich nicht aufgedrängt, so dass in der nächsten Woche noch Vorschläge herumgehen könnten. Wenn nichts kommt, sauge ich mir eines aus den Fingern. In der letzten Zeit interessierte mich z.B., was wohl aus dem "Potsdamer Manifest" von Dürr u.a. geworden ist, das wir vor Jahren - ja, so lange machen wir das schon - uns auf Empfehlung von HGG mal vorgenommen hatten. Es ist damals sehr kontrovers aufgenommen worden. Irgendwie scheint es mir aber wieder mal reif zu sein, oder? Und würde ganz gut in die Reihe der letzten Themen passen.

Substanz könnte auch der Disput "Keynes vs. Marx" mit dem britischen Wirtschaftshistoriker Robert Skidelsky im nd-Gespräch beinhalten.

Mit nachdenklichen Grüßen

Johannes


Die Beiträge im Vorfeld lassen den Schluss zu, dass es zu einer Diskussion über das liebe Geld kommen soll und wird.

>KEIN GELD FÜR ALLE!<

soll deshalb die zweistündige Diskussion mal ein wenig verkürzt getitelt werden. Damit werden einige Behauptungen aufgenommen, dass mit dem Verschwinden des Geldes auch alles das verschwindet, was wir für wert halten, dass es verschwinden sollte. Ein Riesenrad, was wir vorgenommen haben zu drehen, und ich hoffe, dass ausreichend ökonomisches Wissen am Tisch mit Platz nimmt. Es kann wieder spannend werden.

salute. J.

Anmerkungen zum Thema

Liebe Mitdenker,

jetzt nachdem ich mir das Interview mit Skidelsky durchgelesen habe, bin ich immer wieder erstaunt, mit welch arrogantem Anspruch die selbsternannten Experten ihre Dummheit und Ignoranz als große Weltweisheit ausgeben und sich als Berater aufspielen, obwohl sie im selben Atemzug bekennen, dass sie weder von Marx noch von dem, was sich derzeit ökonomisch vollzieht, eine Ahnung haben.

Ihr uralter elitärer Grundgedanke ist ja der, dass der Grund für Krisen darin liegen soll, dass das Vertrauen der Kapitalanleger und Unternehmer in die Zukunft „plötzlich“ zusammenbricht, weil sie „plötzlich“ Angst vor dem Risiko kriegen. Ja, aber wenn die Krise dann „plötzlich“ da ist, haben die großen Investoren schon ihr Geld aufs falsche Pferd gesetzt, weil sie nämlich in ihrer Arroganz völlig „übersehen“ haben, dass sie Kunden, und zwar zahlungsfähige Kunden für das ganze Zeug brauchen, was sie da produzieren und verkaufen wollen. Und wenn Banken Leuten Kredite für Hauskäufe geben, denen dann die gut bezahlte Arbeit wegbricht, weil eben keiner mehr was kaufen kann und ergo die Unternehmen an ihren Löhnen „sparen“ müssen, dann ist das kein unvorhersehbares Schicksal, sondern die logisch vorhersehbare Folge einer langen Kette von technologisch bedingten Rationalisierungen und der dadurch ausgelösten entfesselten „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes“. Hartz-IV-Empfänger kaufen fast nichts mehr – und das Elend der Prekarisierung ergreift erst die Unqualifizierten, weil deren Arbeit zuerst wegrationalisiert wird, und frisst sich dann durch die Mittelschichten bis zum Staat und den reichsten Eliten durch. Wo immer weniger Menschen eine leistungsgerecht bezahlte Arbeit finden, grassiert nicht nur die Armut und die Depression, sondern auch die Erziehung zur Sparsamkeit und der Suche nach dem Glück außerhalb der Welt des Geldverdienens. Und dieses menschliche Handeln ist sehr wohl vorausschaubar, auch wenn es den Herren und Damen der Elite überhaupt nicht in den Kram passt. Auch das psychologische Phänomen der Verweigerung ist vorausschaubar, denn wer erst einmal begriffen hat, dass seine Chance auf ein selbst bestimmtes Leben im Kampf um das Geld gegen Null geht, den interessiert es nicht mehr, wer wen dort oben schmiert und betrügt. Für den ist Geld nur noch ein schrecklich notwendiges Übel.

Denn Geld ist doch nur ein bösartiger Wahn, der jeden Menschen in die Diktatur zwingt. Der Gebrauchswert des Geldes besteht nämlich darin, ein Tauschmittel zwischen Überlebensgüter produzierenden Menschen zu sein, d.h. Geld hat nur dann einen Wert, wenn es durch die kristallisierte Arbeit anderer Menschen belebt wird, indem es einen Kauf bewirkt. Mit nicht gültigem Geld kann ich genauso wenig kaufen wie die Bank mit einem Haus, das sie kreditiert hat und dessen Besitzer seine Raten nicht zahlen kann. Und wenn der Schuldner sein Haus an die Bank verliert und die Bank keinen neuen zahlungskräftigen Käufer für das Haus findet und die Schulden von dem Schuldner nicht durch dessen frische Arbeit wieder eintreiben kann, dann ist die Bank eben genauso wie jeder Anleger am Kapitalmarkt sein Geld los. Wenn das Haus unverkäuflich ist, ist das Geld futsch, aufgelöst. Geld ist nur Buchgeld, eben ein Tauschmittel zwischen Arbeitsleistungen von Menschen, das sofort erlischt, wenn der Kauf getätigt ist. Und ob es wiederbelebt werden kann, sprich das Gut, z.B. das Haus einen neuen Käufer findet, der der Bank den Kredit zurückgibt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Die arbeitenden Menschen sind der Dreh- und Angelpunkt des Geldsystems, denn sie schaffen die Güter, indem sie ihre Arbeit darin materialisieren und deshalb für den Kauf ihrer produzierten Güter ein Tauschmittel, ihren Lohn erhalten. Erlischt aber die leistungsgerechte Arbeit für immer mehr Menschen, dann erlischt der Käufermarkt und damit auch die Herrlichkeit der Unternehmer und politischen Eliten. Marx hat das leider auch nicht begriffen, aber der Kommunismus war nicht sein Thema, weil die entstehende Arbeiterklasse zu seiner Zeit erst einmal um die primitivsten Grundrechte gegen die Allmacht der Herrscherklasse kämpfen musste. Und die Arbeiter haben damals noch nicht verstanden, welche Macht sie als Käufer oder Nichtkäufer, nicht bloß als Produzenten des Reichtums über die Herrscherelite haben. Wenn das arbeitende Volk nicht mehr will, sind die Buchmilliarden in den Geschäftsbüchern der Welt nur noch ein Wahn, ein Schreckgespenst, von dessen Peitsche oder verlockendem Goldschimmer niemand mehr Notiz nimmt. Die Unternehmerkaste kann auf und nieder springen wie sie will, wenn die Menschen sich nicht mehr gegen ihr vitales eigenes Interesse zum Verkauf ihrer Arbeitskraft verführen lassen. Wenn Kauf und Verkauf auf der Produzenten- und Konsumentenseite aus der Balance geraten, wie es jetzt weltgeschichtlich durch die Automatisierung unkreativer Arbeit geschieht, dann ist das Ende des Geldsystems absehbar. Doch bis dahin müssen wir darum kämpfen, das Bestmögliche für die Menschen gegen ein die Erde und uns selbst zerstörendes Wirtschaftswachstum und damit gegen die Überflussgesellschaft aus Profit- und Machtgier zu erreichen.

Kornelia, 27.11.2013