Attac.DenkTankStelle.2015-01-05

Aus LeipzigWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Home Hauptseite / Attac / Attac.DenkTankStelle

DenkTankStelle von Attac-Leipzig

Thema: Braucht Naturwissenschaft Religion?
Ort und Zeit: Mo, 05. Januar 2015, 19 Uhr im Café Grundmann

Ankündigung

Einer Rundmail von Prof. Martin Petzoldt (Uni Leipzig) ist folgendes Zitat entnommen:

"Wer allerdings die Diskussion aufmerksam verfolgt hat, wird wissen, daß heute die These von der "strikten Trennung" von Wissenschaft und Religion (...) kaum haltbar ist. Ich erinnere nur an die Dankrede von Jürgen Habermas - eines sicher unverdächtigen Zeugen in dieser Sache - für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels am 14.10.2001 in der Paulskirche zu Frankfurt/M. Auf dem in dieser Weise zu verstehenden Hintergrund sollte die Diskussion geführt und nicht zurückgefallen werden in Zeiten eines radikal positivistischen Wissenschafts- und Vernunftverständnisses. Das erinnert zu sehr an die Ideologen von vor 1989, die es nicht besser wissen wollten."

In seiner von Herrn Petzoldt zitierten Rede sagt Habermas:

"Gewiss, aus der Sicht des liberalen Staates verdienen nur die Religionsgemeinschaften das Prädikat »vernünftig«, die aus eigener Einsicht auf eine gewaltsame Durchsetzung ihrer Glaubenswahrheiten Verzicht leisten. Jene Einsicht verdankt sich einer dreifachen Reflexion der Gläubigen auf ihre Stellung in einer pluralistischen Gesellschaft. Das religiöse Bewusstsein muss erstens die Begegnung mit anderen Konfessionen und anderen Religionen kognitiv verarbeiten. Es muss sich zweitens auf die Autorität von Wissenschaften einstellen, die das gesellschaftliche Monopol an Weltwissen innehaben. Schließlich muss es sich auf Prämissen eines Verfassungsstaates einlassen, der sich aus einer profanen Moral begründet. Ohne diesen Reflexionsschub entfalten die Monotheismen in rücksichtslos modernisierten Gesellschaften ein destruktives Potenzial. Das Wort »Reflexionsschub« legt freilich die falsche Vorstellung eines einseitig vollzogenen und abgeschlossenen Prozesses nahe. Tatsächlich findet diese reflexive Arbeit bei jedem neu aufbrechenden Konflikt auf den Umschlagplätzen der demokratischen Öffentlichkeit eine Fortsetzung."

Johannes, 14.12.2014


In der Laudation weist Jan Philip Reemtsma auf "eines der Lieblingszitate des Preisträgers" hin:

Nemo contra deum nisi deus ipse.

„Niemand darf Gott in Frage stellen außer Gott selbst.“: Satz nach Goethe zum Widerstreit des Göttlichen mit sich selbst. (Quelle)

HGG, 15.12.2014